
Nicht allein nach Außenmaß wählen
Quadratische und rechteckige Hohlprofile finden sich in Toren, Maschinengestellen, Vordächern und Stahlrahmen. Angaben wie '40er Rohr' oder '60 mal 40' reichen jedoch nicht. Zu Außenmaßen gehören Wanddicke, Stahlgüte, Produktnorm, Länge, Toleranzen, Oberfläche und Verwendungszweck.
ISO 10799-1:2011 behandelt technische Lieferbedingungen kaltgeformter geschweißter runder, quadratischer und rechteckiger Konstruktionshohlprofile; ISO 10799-2:2011 Toleranzen, Abmessungen und Querschnittswerte. Gleiche Außenmaße bedeuten nicht automatisch gleiche Tragfähigkeit. Produktnorm und nationale Regeln des Projekts sind zu bestätigen.
Wann ist ein Quadratprofil sinnvoll?
Ein Quadratprofil ist ein praktischer Ausgangspunkt, wenn um beide Hauptachsen eine ähnliche Geometrie gewünscht wird. Die Symmetrie erleichtert Details, falls sich die Einbaulage ändern kann oder Lasten aus zwei Richtungen kommen. Kleine Rahmen, Pfosten, Tore, Tische und allgemeine Werkstattkonstruktionen sind typische Beispiele.
Symmetrie macht ein SHS nicht automatisch stärker. Knicklänge, Lagerung, Exzentrizität der Anschlüsse, Bohrungen, Nähte und tatsächliche Lasten bleiben maßgebend. Stützen, Geländer, hängende Lasten, begehbare Plattformen und Überkopfelemente sind durch den verantwortlichen Ingenieur zu bemessen.
Wann spielt das Rechteckprofil seine Stärke aus?
Ein Rechteckprofil kann bei Trägern, Riegeln, Rahmen und Chassis mit überwiegender Biegung in einer Richtung Material gezielt anordnen. Wird die größere Abmessung in die wirksame Biegerichtung gestellt, ändert sich die Steifigkeit gegenüber einer Drehung um 90 Grad deutlich. Die Zeichnung muss deshalb neben den Maßen auch die Orientierung zeigen.
Wechselt die Lastrichtung, tritt Torsion auf oder wirkt der Rahmen zweiachsig, reicht die Faustregel 'hohe Seite senkrecht' nicht. Querschnittswerte, Spannweite, Lagerungen und Lastkombinationen werden gemeinsam berechnet. Tabellen dienen nur der Vorauswahl.
Wanddicke, Güte und Querschnittsdaten gemeinsam lesen
Ein größeres Außenmaß ist nicht immer ausreichend; auch mehr Wanddicke entscheidet nicht allein. Güte, Eckenradien, Herstellweg, lokales Beulen, Längsnaht und Toleranzen beeinflussen das Verhalten. Zulässige Abweichungen der Nennwanddicke sind beim Angebot festzulegen.
Wer Prüfbescheinigungen benötigt, vereinbart Güte, Chargenrückverfolgbarkeit und Dokumentart vor der Bestellung. Ein Hilfsrahmen und ein primäres Tragglied können trotz gleicher Handelsbezeichnung andere Abnahmekriterien haben. Installationsrohre und Konstruktionshohlprofile nicht allein nach Optik austauschen.
Anschluss und Fertigung können die Wahl verändern
Der geschlossene Querschnitt wirkt sauber, erschwert aber den Zugang für Schrauben, Muttern und Beschichtung. Stirnplatten, Laschen, Blindverbinder, Hülsen oder Schweißanschlüsse früh festlegen. Quetschen dünner Wände, Verformung der Profilfläche, Ausreißen und Spannung an Nähten können Anschlussnachweise erfordern.
Die Stückliste nennt Fertigmaß, Schnittwinkel, Lochachsen, Nahtvorbereitung, Endkappen und Entgraten. Schweißfolge und Vorrichtung begrenzen Wärmeverzug. Schnitt- und Schweißstellen an beschichtetem Stahl sind mit dem freigegebenen Vorbereitungs- und Reparatursystem erneut zu schützen.
In Küstenlage kein Wasser einschließen
Salzhaltige Feuchte, offene Enden, Nahtspalten und Wassertaschen erhöhen das Korrosionsrisiko. Wahlloses Verschließen kann Kondensat einschließen oder beim Beschichten Druckgefahren schaffen. Entwässerungs- und Entlüftungsöffnungen sind mit Einbaulage, Beschichtungsverfahren und Fertigeranweisung zu planen.
Grundierung, Decklack und Feuerverzinkung sind unterschiedliche Systeme. Nach Umgebung auswählen und technische Daten zu Vorbereitung, Verträglichkeit, Trockenschichtdicke sowie Reparatur von Kanten und Nähten beachten. Nicht zugängliche Details können später teuer werden.
Angaben für ein belastbares Angebot
Neben dem Profilnamen eine kurze Funktionsbeschreibung und eine bemaßte Zeichnung senden.
- Quadratischer oder rechteckiger Querschnitt und Einbaulage
- Außenmaße, Wanddicke, Länge, Menge und Toleranzen
- Stahlgüte, Produktnorm und verlangte Dokumente
- Tragende oder nichttragende Nutzung, Spannweite und Lasten
- Zuschnitt, Bohrungen, Schweißen, Kappen, Entgraten und Kennzeichnung
- Innen-, Außen-, Küsten-, Nass- oder Chemieumgebung
- Grundiert, lackiert, verzinkt oder unbeschichtet
- Verpackung, Transport, Entladung und Längenbegrenzung auf der Baustelle
